Aktuell November 2015 – Über den Kummer in der Welt

Liebe Freunde,
es ist sehr viel Kummer in der Welt.
& Verwirrung. Aber woher kommt die Irritation? Warum scheint das so unerwartet? War die Ablenkung so perfekt?

Im Dokumentarfilm „bowling for columbine“ von Michael Moore, der nach den Ursachen des Amoklaufs beim Schulmassaker von Littleton forscht, gibt es diese prägnante Szene in der ein Mitarbeiter der ortsansässigen Munitionsfabrik interviewt wird, & – während im Hintergrund Teile von Waffen & Raketen durch die Halle transportiert werden – inhaltsgemäß in die Kamera sagt:
„Es ist mir unbegreiflich wo diese Gewalt herkommt & wie bei uns ein solch unfassbares Verbrechen passieren konnte!“

Die aktuelle Frage wo so viel Hass & Gewalt nur herkommt ist doch etwas verblüffend, wenn man bedenkt wie viel Wind in den letzten Jahrzehnten in der arabischen Welt gesät worden ist. Die Überheblichkeit der westlichen Kultur, die sich befugt fühlt, sich überall einzumischen, militärisch einzudringen, zu töten & staatliche Ordnungen zu destabilisieren mit dem Argument Frieden, Freiheit & Demokratie zu bringen* & bestehende Ungerechtigkeiten mit noch größeren Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, könnte eine Antwort geben.

* (ein Argument, das dort erstens noch nie erfolgreich umgesetzt wurde & zweitens obsolet & infam ist, wenn in Ruanda ein Völkermord mit über 1.000.000 Toten zugelassen wurde, ohne dass wirksam eingegriffen oder Flüchtlinge gerettet wurden, vielleicht einfach nur weil es dort keine nennenswerten Rohstoffvorkommen gab oder absehbar attraktive Absatzmärkte herzustellen waren.)

Für Chaos zu sorgen & sich zu wundern dass es ein Echo gibt & der Bumerang zurückkehrt scheint mir naiv & unecht. Die meisten Reaktionen darauf poppen auf wie Gefühls-Schablonen, reflexartig, austauschbar. Als würde selbst Anteilnahme zu einer Betroffenheits-Marke aus der Werbung.
Es wirkt als ob wir in einer Gesellschaft leben, die ihre Lebendigkeit & ihren Reichtum in vielen unterschiedlichen Formen zu leben, zu fühlen & sich zu Wort zu melden, in großen Teilen bereits eingebüßt hat.

Geht es vielleicht doch nicht spurlos an einer Gesellschaft vorüber, wenn man ihren Staat ideologisch als Heile-Welt-Krämerladen organisiert & sie es zulässt, dass Unternehmensberatungsfirmen die politischen, wirtschaftlichen & kulturellen Aspekte eines Staates bestimmen? Wenn sie mit deren Hilfe alle „Leistungsschwachen“, „Underperformer“ & alternativ Denkenden auf subtile Weise aussortiert?

Wenn die wirtschaftlichen Bedürfnisse einer Gemeinschaft auf Shareholder-Values reduziert & ihre gemeinschaftseigenen Medien von geistigem Wachstum & Meinungsvielfalt „befreit“ werden, um politische Meinungen besser bündeln & kontrollieren zu können? Wenn die monochrome Abbildung von Kultur nur noch seifige Unterhaltung ist & weder geistigen noch seelischen Nutzen besitzt, um u.a. effizienter für den Verkauf von Reklame zu sein?
Eine widerstandsfähige, politisch gebildete, emotional gesunde & handlungsfähige Gesellschaft sieht jedenfalls anders aus, oder?

Eine Nachtigall in Steppschuhen war für mich die interessante Nachricht, dass Frank-Jürgen Weise, der neue Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Ende September die amerikanische! Unternehmensberatung McKinsey angeheuert hat, um die Logistik der Flüchtlings-Krise zu bewältigen.
Hat sich vielleicht auch die Bundeskanzlerin für ihre Politik der „marktkonformen Demokratie“ (was soll das eigentlich anderes sein, als die Bürger zu Konsumenten zu degradieren?) & wie man den demografischen Mangel an Konsumenten beheben könnte, von dieser Firma beraten lassen?
Ein „herzliches Willkommen“ an alle Unternehmensberater, die für unsere Politik, Wirtschaft & Kultur die Weichen stellen, weil unsere demokratisch gewählten Vertreter es nicht mehr können oder wollen oder was steckt noch dahinter?! Ist das eigentlich noch Demokratie?

Ohne die strafrechtliche Verantwortung & damit verbundenen Konsequenzen erwachsener Menschen für ihre Taten außer Kraft setzen zu wollen:
Jeder Täter war & bleibt auch ein Opfer & wichtig wäre herauszufinden was oder wer ihn zum Opfer macht bzw. diese katastrophale Ohnmacht provoziert, die Menschen eventuell sogar zu (Selbstmord-) Attentätern werden lässt.

& ob man nun in einer von Hoffnung auf Erlösung geprägten Ausschließlichkeit entweder in den unfreien Aspekten einer patriarchalischen Religion Halt sucht oder als Menschendarsteller-Papagei von Freiheit plappert aber in einem Käfig sitzt, dessen Gitterstäbe aus den Machtinteressen weniger Manager von multinationalen Konzernen zusammengelötet sind, scheint mir dabei kein signifikant systemischer Unterschied zu sein, was den Grad der Autonomie betrifft.

Eine Gesellschaft, die versucht ohne wirkliche Liebe, Achtung, Solidarität & Lebendigkeit auszukommen, die in Imitation & Selbstdarstellung verhaftet ist & die ihre Schmerzen, ihre Zweifel & ihre Verzweiflung nicht erkennt & annimmt, & die nur fähig ist ihre Werte als Worthülsen zu postulieren & nur auf Ehrgeiz, Macht & quantitativen Ideen von Erfolg aufgebaut ist, als wäre ein menschliches Leben ein Geschäft oder ein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre & sich dagegen nicht wehrt, wird oder ist bereits krank.
Am absurdesten erscheint mir jedoch die Idee dieses aktuelle Modell als Heilsbringer in andere Kulturen zu exportieren.

Was wäre denn, wenn immer mehr Menschen, den sogenannten „Autoritäten“, den vermeintlich Mächtigen & Einflussreichen, denen, die damit kokettieren die „Raubtiere“ & Bestimmer in ihren Systemen zu sein, zeigen würden, dass wir alle schon lange wissen was die meisten von ihnen wirklich sind:
Schafe im Wolfspelz!

Haltet Euch gerade & bewundert die Welt!
Herzlichst Michy

P.S.
Ich hoffe wir begegnen uns im nächsten Monat bei den folgenden Gelegenheiten:

11.12. Benefiz-Konzert für das Hospiz Nordfriesland im Charlottenhof in
Klanxbüll
12.12. DRK in Wormstorf
14.12. Metro-Kino in Kiel
16.12. Lausch Lounge in der St. Katharinen-Kirche Hamburg mit
Emma Longard, Aino Löwenmark, Kraus, Sarajane
22.12. Schmidts Tivoli in Hamburg (ausverkauft)
23.12. Schmidts Tivoli in Hamburg (ausverkauft)

Hier geht´s zu den Tickets.

MERCI !

Liebe Freunde,
vorab möchte ich mich bei allen interessierten Musikfreunden & Unterstützern herzlich bedanken, die „Hatte ich dich nicht gebeten im Auto zu warten“ so eine breite Straße gebaut haben um in die Welt zu rollen. Ich schwinge den Hut – den mit den Federn aus den Flügeln von Engeln – zu einer Verbeugung.

An dieser Stelle möge mir erlaubt sein ein riesengroßes MERCI! an das Rintintin-Promotion-Team zu richten, an Yvonne Paulien, Peter Goebel, Angelika Cisek, Eberhard Pacak, Behrus Salimkhani & Ina Radke. Dass auch Ihr dazu beigetragen habt mir, dem allseits bekannten Hitparadenverrückten, einen bemerkenswerten 44. Platz in den deutschen Charts zu bescheren – & das in meinem 44. Lebensjahr… Das kann doch kein Zufall sein!

Ich danke allen, die – unabhängig vom musikalischen Geschmack – Qualität in Form, Inhalt & Verpackung zu schätzen wissen & für die auch jene Zusammenhänge nachvollziehbar sind, aus denen – außer Freude & Herzblut – die Herstellung eines Albums sonst noch besteht.

Ich wurde schon häufiger gefragt, warum meine Musik nicht auf den einschlägigen Streaming-Plattformen (z.B. Spotify) erhältlich ist & möchte in diesem Zusammenhang gern meine Argumente vortragen.
Dazu ist wichtig zu wissen, dass wir erstens ein unabhängiges Tonträger-Unternehmen sind, zweitens, dass ich bei weitem kein Millionär oder so etwas ähnliches bin & drittens, dass wir prinzipiell für meine Produktionen weder kulturelle Subventionen beantragen, noch jemals welche in Anspruch genommen haben.
Es werden viele Menschen im Glauben gelassen ihr monatlicher Beitrag für den Streaming-Dienst würde in relevanter Form den eigentlichen Produzenten von Musik zu Gute kommen. Das ist nicht korrekt. Der Hauptanteil geht an die wenigen großen Konzerne, die für ihre Musik-Kataloge jährlich Millionen an Vorschüssen kassieren (in einigen Fällen selbst Anteilseigner der Plattformen sind & nur einen Bruchteil an die Musiker weitergeben) & an die Streaming-Dienste selbst. Kleinere Tonträgerunternehmen erhalten lächerliche Beteiligungen.
Der weltweit meistgestreamte Titel im vergangenen Jahr war der Song „Get Lucky“ der Gruppe Daft Punk. Jeder der beiden Protagonisten erhielt als Erlös dafür 13.000,-€ für sage & schreibe 100 Millionen Streams. Das wären 1.300,-€ für 10.000.000 Streams, 130,-€ für 1.000.000, 13,-€ für 100.000 & 1,30 € für 10.000 Streams.

Mit den kompletten Einnahmen aus den Streaming-Abrechnungen der Gruppe Daft Punk für ihren Titel „Get Lucky“ hätte ich mein aktuelles Album & die zur Veröffentlichung notwendigen Kosten nur zu einem guten Drittel bezahlen können. Ich hoffe, dass deutlich wird, dass dieser eingeschlagene Weg für keinen Musikschaffenden – egal welcher Popularitätsstufe – gangbar ist & hoffentlich in diesem Jahr zu einer weitreichenden Diskussion führt. Alle, die Streaming-Plattformen nutzen, bitte ich darüber nachzudenken, ob ihnen das Hören eines bestimmten Liedes tatsächlich nur 0.00026 € für die Musiker wert ist & was das für die Entwicklung der Qualität in unserer Kultur bedeutet.
Eine Gesellschaft die nicht in der Lage ist ihre Kultur angemessen zu bewerten, verliert den Respekt vor sich selbst. Kultur ist etwas an dem man wächst, das Wurzeln bildet, etwas, das Geist & Seele blühen lässt. Kultur einfach nur zu konsumieren wie einen Schnellimbiss wird niemanden klüger oder sensibler machen.

Nicht ganz leicht jetzt die Kurve zu kriegen, aber die Mitteilung dieser Einschätzung lag mir schon länger auf dem Herzen & ich bin gern bereit Eure Fragen dazu zu beantworten.

Wir freuen uns in diesem Monat ganz besonders auf Euch bei unseren Konzerten am:

07.02. in Syke im Konzertsaal
08.02. in Harburg im Rieckhof
14.02. in Lübeck im Kolosseum
21.02. in Magdeburg auf der Rockgala
27.02. in Hamburg bei NDR 90,3 Foyer-Konzert
28.02. in Eckernförde in Carls Showpalast
& als Vorschau, am 01.03. in Husum im TSBW.

Hier gibt´s für einige der Termine noch: Tickets

Bleibt gesund & interessiert, haltet Euch gerade & bewundert die Welt!
Dieser Song ist für Euch:


Herzlichst Michy